Lexikon

 

Ballhaus

Das Ballhaus in Versailles war der Versammlungsort der Nationalversammlung, welche sich zunächst nur aus dem Dritten Stand zusammensetzte. Dort wurde am 20.6.1789 der Ballhausschwur von 600 Delegierten geleistet, die sich damit dem Befehl des Königs, nicht mehr zusammenzukommen, widersetzten. Mit dem Ballhausschwur schworen sie sich, dass die Nationalversammlung sich nicht trennen würde, bevor nicht eine Verfassung für Frankreich ausgearbeitet sei. Eigentlich war das Ballhaus aber ein "Ballspielhaus", in dem Tennis gespielt wurde.

 

Bastille

Die Bastille war das Staatsgefängnis von Paris, in dem auch Waffen gelagert wurden. Sie war zur Zeit der Revolution ohne strategische Bedeutung. Nach der Revolution blieb von der Bastille nur eine Ruine übrig.

 

Frauenclubs

Die Frauen bildeten separate Organisationen, die notwendig waren, um ihre spezifischen weiblichen Belange einzubringen. Die frühen Frauenclubs, denen vor allem Frauen des liberalen Bürgertums, der Intelligenz und der neuen Amtsträger angehörten, konzentrierten sich nach Kriegsausbruch auf karitative Tätigkeiten. Neben diesen (öffentlich natürlich sehr gelobten) Clubs gab es auch explizit politische Frauenorganisationen: "Die brüderliche Gesellschaft beider Geschlechter", und vor allem die "Gesellschaft der Revolutionären Republikanerinnen", an deren Spitze Pauline Leon und die Schauspielerin Claire Lacombe standen.

 

Generalstände

Die Generalstände wurden zur Zeit des Absolutismus eingeführt, da man damals noch kein anderes Wahlverfahren hatte. Jeder Stand bekam eine Stimme. Der erste Stand war der Klerus, der zweite Stand der Adel und der dritte Stand waren die Bauern und Handwerker, die den größten Teil der Bevölkerung darstellten. Der Dritte Stand konnte sich nie durchsetzen, da der erste und der zweite Stand mit dem König kooperierten und die Abstimmung so 2:1 nach Ständen gewannen.

 

Girondisten

In der Französischen Revolution die gemäßigten Republikaner; benannt nach der Gironde, aus der ihre Führer stammten.  Sie bildeten eine Partei, in denen das nationalistische, wohlhabende und von den Ideen der Aufklärung erfüllte Bürgertum in West- und Südfrankreich vertreten war. Sie vertraten den Gedanken der Volkssouveränität, daher forderten sie den Kampf gegen die europäischen Fürsten zur Befreiung der anderen unterdrückten Völker und setzen in diesem Sinne die Kriegserklärung gegen Österreich und Preußen durch. Zusammen mit den Jakobinern stürzten sie das Königtum, gerieten aber bald in Gegensatz zu der radikalisierenden jakobinischen Bergpartei. Im Konvent wurden sie in die Opposition gedrängt, die Partei 1793 verboten und viele ihrer Mitglieder und Führer 1793/94 während der Schreckensherrschaft hingerichtet.

 

Jakobiner

"Demokraten" oder "Freunde der Freiheit"; sie wollten möglichst viele Rechte für das Volk, für möglichst umfangreiche politische Mitwirkung; die Jakobiner waren unterschiedlich radikal in ihren Zielen, aber gemeinsam wollten sie einen sehr schwachen König oder eine Republik. Sie bestanden aus Vertretern des mittleren Bürgertums, die aber z. T. auch die Interessen der nicht in der Nationalversammlung vertretenen Bevölkerungsgruppen unterstützen. Der Jakobinerclub galt als einer der  bedeutendsten Clubs der Französischen Revolution.

Der Name leitete sich vom Tagungsort ab:  Das St. Jakobs-Kloster in Paris, wo dieser politische Klub seine Zentrale hatte; von dort aus verbreiteten sich "Tochterklubs" über ganz Frankreich. Ihre größte Bedeutung hatten sie während der Schreckensherrschaft von 1793/94. Sie trugen die Jakobinermütze (rote Mütze mit Kokarde).

 

Krise

Entscheidungslage; Probleme häufen sich und führen zur Frage: Verändert sich ein Zustand (kritisch) in etwas Neues, oder ergibt sich eine Wiederherstellung? Beispiele: Krise einer Krankheit, Ernährungskrise, Wirtschaftskrise.

 

Nationalgarde

Die Qualität der französischen Infanterie hatte sich bis zum Jahre 1789 allgemein verschlechtert. Die im Verlauf des Jahrhunderts erlittenen Niederlagen wirkten sich auf ihr Ansehen aus, und jene Verbände, welche im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gefochten hatten, brachten die Ideen von Freiheit und Unabhängigkeit mit nach Hause. Inmitten der ersten Unruhen des Jahres 1789 verhielten sich die Regimenter, dank der innewohnenden Disziplin, zunächst ruhig und korrekt.
Nach dem Sturm auf die Bastille wurden Bürgerregimente gegründet, die später in die reguläre Armee eingegliedert wurden und den Kern der revolutionären Truppen der folgenden Kriege stellten.
Ein Dekret vom 1. Januar 1791 schaffte die aristokratischen Regimentsnamen ab, und am 4. März wurde die relativ nutzlose, neue Nationalgarde ausgehoben. Im späteren Verlauf des Jahres ordnete dann die Nationalversammlung die Rekrutierung und Aufstellung von 169 Freiwilligen-Bataillonen an, vergleichsweise gute Truppen, da sie sich weitgehend aus Offizieren und Mannschaften der aufgelösten Provinzialregimentern zusammensetzten. 1792 erging an die Departements die Aufforderung zur Gestellung eines weiteren Schubs sogenannter Freiwilligen-Bataillone. Doch diesmal handelte es sich zumindest um widerstrebende und unausgebildete Leute, die Pech beim Losen hatten, untauglich und bar jeder Disziplin. 1793 befahl der Konvent dann eine Levée en masse (allgemeine Mobilisierung), doch die auf diese Weise gewonnenen Leute hatten wenig Wert für die Armee und viele desertierten.

 

Nationalversammlung

Bezeichnung für die zur Beratung bzw. Beschlussfassung der Grundfragen der Nation und ihres staatlichens Gemeinwesens zusammengetretene Versammlung. Aufgabe vor allem: Ausarbeitung einer Verfassung.

 

Paris

In Paris, der Hauptstadt von Frankreich, begann 1789 die Revolution mit der Erstürmung eines Teils der Befestigungsanlage, der Bastille. Am 15.7.1789 wurde Jean-Sylvain Bailly zum ersten Bürgermeister von Paris ernannt. Er teilte die Stadt dann 1790 in 48 Sektionen auf.

 

Revolution

[lat.-frz.], allg. Bez. für eine tiefgreifende Änderung (z.B. industrielle Revolution., aber auch Revolution der Wissenschaft, der Kunst, der Mode usw.). Im politisch-sozialen Sinne Bezeichnung für eine grundlegende Umgestaltung der gesellschaftlichen   Struktur, der politischen Organisation sowie der kulturellen Wertvorstellungen in einem bestimmten geographischen Bereich und damit Bezeichnung für eine bestimmte Form des historischen Wandels. Nach Inhalten unterscheidet man politische Revolution, soziale Revolution und Kulturrevolution, nach Trägern Bauern-Revolution, bürgerliche Revolution und proletarische (soziale) Revolution, nach geographischer Ausbreitung nationale Revolution und Welt-Revolution; die Versuche, eine begonnene oder bereits erfolgreich beendete Revolution rückgängig zu machen, werden Konter-Revolutionen genannt; im Sprachgebrauch wird als Revolution sowohl der plötzliche Machtwechsel als auch die diesem Wechsel folgende langfristige Umwälzungs- und Umschichtungsphase bezeichnet. Träger der Revolution sind i. d. R. benachteiligte Schichten, unterdrückte Klassen usw., auch wenn als Wortführer häufig Angehörige der Oberschicht fungieren. Als Revolution von oben wird eine von einer (legalen) Regierung "verordnete" totale Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse bezeichnet. Obwohl fast alle Revolutionen bisher Elemente der Gewalt enthielten, ist widerrechtliche Gewalt nicht zwangsläufig Wesensmerkmal einer Revolution. Im Gegensatz zum Konzept der Revolution stehen die Konzepte der Evolution (allmähliche gesellschaftliche Veränderung im Rahmen der bestehenden Struktur) und der Reform.

 

Versailles

Versailles wurde im Auftrag von Ludwig XIV. gebaut. Es wurde ein riesiges Schloss gebaut, mit großen Außen- und Gartenanlagen und einer Vorderfront von 680m. Am Bau des Schlosses waren über 36.000 Menschen mehr als 50 Jahre lang beschäftigt. Versailles zählte damals und auch heute zu den prunkvollsten und bedeutenden Schlössern und diente später auch als Vorlage einiger Schlösser, z.B. für das Mannheimer Schloss.

 

"Was ist der dritte Stand?"

Vom Januar 1789; zunächst anonyme Flugschrift des Abbe Sièyes:

"Der Plan dieser Schrift ist ganz einfach. Wir legen uns nur 3 Fragen vor:
1. Was ist der 3. Stand? Alles.
2. Was ist er bis jetzt in der politischen Ordnung gewesen? Nichts.
3. Was verlangt er? Etwas zu werden....

Kurz zusammengefasst: der Dritte Stand hat bis jetzt bei den Reichsständen keine wahren Stellvertreter gehabt; er befand sich also nicht im Besitz seiner politischen Rechte.

Was verlangt der 3. Stand? Etwas zu werden. Was braucht die Nation, um zu bestehen und zu blühen? - Private Verrichtungen und öffentliche Ämter. Alle privaten Verrichtungen kann man in 4 Klassen zusammenfassen: 1. den Ackerbau; 2. Die Industrie ist dazu da, die Gaben der Natur zu vervollkommnen; 3. Zwischen Produktion und Verbrauch schiebt sich eine Menge von Vertretern, Händlern, Kaufleuten ein; 4. gibt es noch wissenschaftliche und freie Berufe von den ausgezeichnetsten bis zu den Bedienstetenstellungen. Diese Arbeiten halten die Gesellschaft zusammen. Wer übt sie aus? Der 3. Stand. Wer sollte da noch bezweifeln, daß der 3. Stand alles umfasst, um eine vollkommene Nation zu bilden? Aber er ist der starke und kräftige Mann, dessen einer Arm noch immer in Ketten liegt. Höbe man den privilegierten Stand auf, so würde die Nation nicht um etwas ärmer, sondern um etwas reicher sein....

Er will haben,

1. dass wahre Stellvertreter bei den Reichständen, d.h. Abgeordnete aus seinem Stand genommen werden, welche die Ausleger seines Willens und die Verteidiger seines Interesses sein können. Allein wozu würde es ihm nützen, den Reichsständen beizuwohnen, wenn das dem seinigen entgegengesetzte Interesse dort die Oberhand hätte? Er würde durch seine Gegenwart die Unterdrückung, deren ewiges Opfer er sein würde, nur bestätigen. Also ist es wohl gewiß, daß er bei den Reichsständen nicht stimmen kann, wenn er da nicht einen wenigstens gleichen Einfluß mit den Privilegierten haben soll.

Er verlangt 2. ebensoviele Stellvertreter wie die beiden anderen Stände zusammen. ...

3. dass die Stimmen nach den Köpfen und nicht nach den Ständen genommen werden sollen... Ich bitte, dass man den erstaunenden Unterschied merke, der zwischen der Versammlung des 3. Standes und denen der beiden anderen Stände besteht. Die erste (die des 3. Standes) vertritt die Stelle von 25 Millionen Menschen und beratschlagt über das Interesse der Nation. Die beiden anderen sollten sie sich vereinigen, haben nur ungefähr von 200000 Individuen Vollmacht und denken nur an ihre Vorrechte. Der 3. Stand allein, wird man sagen, kann die Reichsstände nicht bilden. Nun. Desto besser! Er wird eine Nationalversammlung bilden."

 

Zensuswahlrecht

Wahlrecht, das an den Nachweis eines bestimmten Besitzes, Einkommens oder einer Steuerleistung (Zensus) gebunden ist (z. B. in Preußen in Form des Dreiklassenwahlrechts); dadurch wurde dem größten Teil der Bevölkerung die Wahl unmöglich.